
Wie erde ich mich?
Was bedeutet mich erden für mich?
Wo ist Erde?
Was ist Erde?
Bin ich Erde?

Wie erde ich mich?
Was bedeutet mich erden für mich?
Wo ist Erde?
Was ist Erde?
Bin ich Erde?

Zwischen den Jahren
Morgens Vögel am Himmel
Abends Lichter im Dunkel
Nacht für Nacht geht ein Wunsch im Feuer auf
Dem Schnee beim Schneien zusehen
Habe ich nun schon genug Winterschlaf?

Nicht sprechen.
Nichts sagen.
Still sein.
In welchen Momenten ist mir das angenehm?
Mit wem kann ich schweigen?
Was höre ich im Schweigen?

In der Natur:
Ein großes Sterben.
Der Tod legt den Samen für eine neue Geburt.
In meinem Leben?

Aus den Bergen kommen.
Zurück in die norddeutsche Tiefebene.
Immer wieder heikel.
Was mir diesmal geholfen hat: Nichts tun. In aller Ausführlichkeit, ein Wochenende lang, oft im Garten.
Die Sonne auf meiner Haut spüren. Lachend dem Getöse der Vögel zuhören. Orange, Blau und Gelb betrachten. Noch einmal blüht die Kapuzinerkresse, in voller Pracht der Borretsch, bald die Topinambur.
Anderntags Samen ernten. Das Schmuckkörbchen nur berühren, die Wegwarte schütteln, den Beifuß abstreifen. Abends liegt eine Sammlung vor mir. Sie fragt mich: Welchen Samen erntest du in diesem Herbst?
Ich lege mich schlafen, träume, erwache. Fließe durch den Tag. Allmählich taucht die Antwort auf.
Am 24. Juli 2024 hatte ich den Schreibraum und Lesesaal geöffnet. Mit dem Text Zur Ostsee fahren – “Hilke ist tot!“ – Eine Körpergeschichte von Tod, Trauer, und Trost.
Vielmals erzählte ich von der Veröffentlichung, von der Geburt meines Blogs und seines ersten Beitrags. Eine Frau hörte mich. Und sagte: „Es war notwendig für dich, diesen Text zu schreiben.“
Ja.
Die Notwendigkeit des Schreibens. Diesen Samen ernte ich.
Wenn ich ihn hege, in einen lebendigen Boden bringe, lichte und wässere.
Wenn ich mich der Notwendigkeit immer wieder zuwende. Aufrichtig mir selbst und dem noch Ungeschriebenen gegenüber: Welcher Text ruft in mir? Welcher Text ruft mich? Und dem Notwendigen auch nachgehe.
Welche Texte werden daraus erwachsen?
Was gestaltest, kreierst, schöpfst du aus Notwendigkeit heraus?
Welchen Samen erntest du in diesem Herbst?

Gelbglänzendes Laub vergoldet den Herbst.
Oktobertag für Oktobertag wandle ich in der Welt mit der Vorstellung:
Ich finde Gold.
In der Natur.
Im übertragenen Sinne.
In mir.
Was findet sich?

Was bedeutet Ordnung für mich?
Wie entsteht sie?
Vielleicht, indem ich etwas tue und sie herstelle.
Etwas lasse und sie sich einstellt.
Etwas betrachte und sie erkenne.
Welche Ordnung geleitet mich über die Herbst-Tagundnachtgleiche in die dunklere Jahreshälfte?




Verheißung

In Verbundenheit mit Hilke öffne ich heute, an ihrem erstem Todestag, den Schreibraum und Lesesaal.
Für mich. Für dich und euch. Für uns.
Mit meiner Geschichte von Hilkes Tod, meiner Trauer und dem Trost, den mir das Johanniskraut, mein Körper und die Ostsee so reichlich haben zufließen lassen.

Tod im Juli – Sand, Meer und Erde
Voriges Jahr im Januar. Für einige Tage bin ich in meinen geliebten Bergen. Ich trinke den Morgenkaffee auf dem Balkon. Frühstücke, wandle, esse zu Abend. Ich trinke den Abendtee auf dem Balkon. Lese „Echo Mountain“ und gehe schlafen. Einfachheit, Rhythmus und Einsamkeit nähren mich.